Die Studie „SME Accelerator – Germany“ von Opinium im Auftrag von OpenAI untersucht den Stand der Künstlichen Intelligenz in deutschen Klein- und Mittelunternehmen (KMU). Die Ergebnisse zeigen eine weite Verbreitung, messbare Produktivitätsgewinne und eine bemerkenswerte Diskrepanz zwischen Unternehmensrichtlinien und Mitarbeiterverhalten.

Mehr als vier von fünf (85%) KMU-Entscheidern in Deutschland nutzen KI-Tools laut der  Studie „SME Accelerator – Germany“ von Opinium im Auftrag von OpenAI am Arbeitsplatz – nahezu gleichauf mit der privaten Nutzung (88%). Die Häufigkeit variiert jedoch erheblich mit der Unternehmensgröße. Während 91% der Entscheider in mittleren Unternehmen KI nutzen, sinkt der Anteil bei Soloselbstständigen auf 81% und bei Kleinstunternehmen auf 80%. Regional liegt Berlin mit 93% vorn, Niedersachsen folgt mit 80%. Unter den Nutzern wenden 41% KI täglich an, darunter 27% mehrmals täglich. Wöchentliche Nutzung erreicht 80%, während nur 4% KI einmal monatlich oder seltener einsetzen.

Anwendungen und Zeitersparnis

Entscheider nutzen KI im Durchschnitt auf 3,2 verschiedene Arten. Häufigster Anwendungsfall ist Recherche, Analyse oder Zusammenfassung (43%), gefolgt von Lernen oder Weiterbildung (37), Schreiben von Geschäftskommunikation (36%) und Brainstorming (32%). Integrierte KI in Alltagssoftware (43%) und Chatbots (39%) sind die gängigsten Zugangspunkte.

Die Zeitersparnis ist erheblich: 94% der Nutzer berichten von Zeitgewinnen, durchschnittlich 5,1 Stunden pro Woche – das entspricht 235 Stunden jährlich. Die effizienteste Anwendung ist Recherche, Analyse oder Zusammenfassung (27% nennen sie als größten Zeitgewinn). E-Mails schreiben folgt mit 20%.

Die gewonnene Zeit fließt vor allem in kreatives Denken (32%), strategische Planung (30%) und Produkt- oder Dienstleistungsverbesserung (28%). Wer KI auch privat nutzt, erzielt höhere Zeitersparnisse am Arbeitsplatz (5,5 Stunden) als Nicht-Nutzer (4,3 Stunden).

Vertrauen und strategische Relevanz

Sieben von zehn Entscheidern (70%) sind zuversichtlich, über eigene oder Mitarbeiter-KI-Kompetenzen zu verfügen. Dieses Vertrauen steigt mit der Unternehmensgröße: 80% in mittleren Unternehmen gegenüber 64% in Kleinst- und Kleinunternehmen. 83% glauben, dass KI-Vertrautheit für die Zukunft ihres Geschäfts wichtig sein wird – davon sind 95% der regelmäßigen KI-Nutzer überzeugt, aber nur 45% der Nicht-Nutzer.

Schatten-KI und Politikdefizite

Fast die Hälfte (49%) der KMU berichtet über eine formelle KI-Richtlinie: 28% mit unterstützend-regulierendem, 21% mit einschränkendem oder verbietendem Ansatz. Die Formalität der Richtlinie nimmt mit der Unternehmensgröße zu – von 15% bei Soloselbstständigen auf 63% bei mittleren Unternehmen.

Ein kritisches Ergebnis: 23% der Entscheider geben zu, KI am Arbeitsplatz zu nutzen, obwohl ihre Organisation eine restriktive oder verbietende Richtlinie hat. Diese „Schatten-KI“ spiegelt sich auch darin wider, dass 59% der Unternehmen mit Angestellten von unabhängiger KI-Nutzung durch Mitarbeiter ohne offizielle Freigabe berichten.

Tool-Landschaft: ChatGPT dominiert

ChatGPT ist das am weitesten verbreitete KI-Tool (70%), gefolgt von Google Gemini (47%) und Microsoft Copilot (26%). Auf die Frage nach dem am stärksten genutzten Tool nennen 53% ChatGPT, 18% Gemini und 7% Copilot. Unter ChatGPT-Nutzern betrachten es 70% als ihr Hauptwerkzeug, verglichen mit 36% bei Gemini und 24% bei Copilot.

Motivationen und messbare Ergebnisse

Das Hauptmotiv für die KI-Einführung ist Zeitersparnis (42%), gefolgt von Ideengenerierung (24%) und Qualitätsverbesserung (24%). Als messbare Ergebnisse berichten 41% von Zeitgewinnen, 27% von weniger Fehlern und Nacharbeit, 21% von schnelleren Kundenantwortzeiten. Auf die Frage, wo KI am hilfreichsten wäre, nennen 35% die Verbesserung bestehender Abläufe, 21% Kosten- oder Effizienzmanagement, 13% Umsatzsteigerung.

Vertrauen bei Implementierungsberatung

KMU-Entscheider vertrauen bei der Implementierungsberatung am meisten spezialisierten KI-Unternehmen (27%), gefolgt von bestehenden IT-Dienstleistern (22%). 9% wissen nicht, wem sie vertrauen sollen, 8% würden niemandem vertrauen – bei Soloselbstständigen steigen diese Werte auf 19% bzw. 17%.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass KI zwar im deutschen Mittelstand zum Standardproduktivitätstool geworden ist, formelle Governance und Richtlinien jedoch hinter der tatsächlichen Nutzung zurückbleiben – mit Chancen und Compliance-Risiken.

„Fünf Stunden Zeitgewinn pro Woche sind für KMUs ein echter Hebel – gerade in Zeiten von Fachkräftemangel und steigendem Kostendruck. Besonders spannend ist aber, was mit dieser Zeit passiert: Viele nutzen sie nicht einfach nur, um mehr Aufgaben abzuarbeiten, sondern für kreatives Denken, strategische Planung oder die Verbesserung von Produkten und Services. KI beschleunigt damit nicht nur bestehende Prozesse, sondern schafft im Mittelstand zunehmend Raum für sinnstiftende Arbeit“, sagt Johannes Foertsch, Leiter Mittelstand bei OpenAI.

Von Jakob Jung

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM. Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de

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