Mit dem Forschungsverbund CommUnity bündeln die Technische Universität Dresden (TUD) und die Technische Universität München (TUM) ihre Kräfte, um die Kommunikationssysteme von morgen zu gestalten.

Forschung als gesellschaftlicher Auftrag

Die Startlinie ist gezogen: Mit CommUnity haben TU Dresden und TU München ein gemeinsames Forschungsprojekt ins Leben gerufen, das weit über klassische Ingenieurwissenschaften hinausreicht. Der Name ist Programm – denn das Projekt versteht Kommunikationstechnologie nicht als Selbstzweck, sondern als gesellschaftliche Infrastruktur. Gefördert vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) mit 15 Millionen Euro, läuft das Vorhaben bis Ende Dezember 2029.

Eine Toolbox für die Kommunikation der Zukunft

Im Kern entwickelt CommUnity eine flexible, modulare Toolbox aus interoperablen Technologien, Architekturen und Designprinzipien. Die Forschungsfelder sind breit: KI-gestützte, energieeffiziente 6G-Mobilfunknetze bilden das Rückgrat des Projekts, ergänzt durch Quantenkommunikation und die noch junge Disziplin der molekularen Kommunikation. Das Besondere an CommUnity ist der integrative Ansatz: Diese Bausteine sollen nicht isoliert existieren, sondern als kohärentes System wirken, das sich flexibel an wandelnde gesellschaftliche Anforderungen anpassen lässt.

„CommUnity steht für Shared Prosperity – also für Technologien, die nicht nur Spitzenanwendungen ermöglichen, sondern der Allgemeinheit zugutekommen. Der Mobilfunk hat gezeigt, wie Infrastruktur Wohlstand breit zugänglich machen kann. Wir entwickeln Kommunikationstechnologien mit integrierter KI, die offen, effizient und vertrauenswürdig sind – und die den Zugang zu KI-gestützter Kommunikation in die Breite tragen.“  — Professor Frank Fitzek, Koordinator an der TUD

Fitzeks Aussage trifft einen wunden Punkt der aktuellen KI-Debatte: Während Mobilfunksysteme historisch breiten Bevölkerungsschichten Zugang zu Kommunikation verschafft haben, konzentriert sich der Nutzen moderner KI-Systeme heute häufig auf wenige Anbieter und Anwender. CommUnity will dieses Ungleichgewicht gezielt korrigieren.

Disruptive Forschung statt inkrementeller Weiterentwicklung

Die Projektverantwortlichen machen keinen Hehl daraus: CommUnity dringt bewusst in Forschungsgebiete vor, die für die Industrie derzeit noch als zu risikoreich gelten. Durch den Aufbau von Testbeds und Demonstratoren entstehen offene Infrastrukturen, die sowohl für Großkonzerne als auch für Startups zugänglich sind. Unternehmen erhalten so die Möglichkeit, neue Technologien frühzeitig zu erproben – lange bevor diese marktreif sind.

„Durch offene Testbeds und Demonstratoren schaffen wir ein Ökosystem, das Grundlagenforschung mit industrieller Wertschöpfung verbindet und langfristige Innovationen ermöglicht. Einige dieser Technologien werden künftig entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit ganzer Industriezweige in Deutschland sein.“  — Professor Holger Boche, Koordinator an der TUM

Boches Worte unterstreichen den strategischen Charakter des Projekts: CommUnity versteht sich explizit als Beitrag zur Sicherung des Technologiestandorts Deutschland – in einer Zeit, in der internationale Konkurrenz in der Kommunikationstechnologie, insbesondere aus dem asiatischen Raum, deutlich zunimmt.

Technologische Souveränität als politisches Ziel

CommUnity fügt sich nahtlos in die aktuellen industriepolitischen Debatten ein. Technologische Souveränität – also die Fähigkeit, kritische Infrastrukturen eigenständig zu entwickeln und zu kontrollieren – ist längst zu einem zentralen Begriff europäischer Technologiepolitik geworden. Das Projekt liefert konkrete wissenschaftliche Grundlagen für dieses politische Ziel: Offene Architekturen, vertrauenswürdige KI-Integration und gesellschaftliche Teilhabe sind nicht nur Forschungsziele, sondern auch Antworten auf geopolitische Herausforderungen. Mit einer Laufzeit bis 2029 und einer klar praxisorientierten Ausrichtung hat CommUnity das Potenzial, die europäische Kommunikationslandschaft nachhaltig zu verändern.

Von Jakob Jung

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM. Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de

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