Nach der Besetzung einer Rechenzentrumsbaustelle von Microsoft in Amsterdam, bei der laut Medienberichten bis zu 200 Menschen festgenommen wurden, kritisiert der Verband eco die Aktion. Geschäftsführer Alexander Rabe warnt vor Risiken für kritische Infrastruktur und lehnt einen europaweiten Baustopp ab.
Hunderte Aktivisten haben am Freitag, dem 6. November, in Amsterdam die Baustelle eines Microsoft-Rechenzentrums besetzt. Laut Agenturberichten (dpa-AFX, AFP) legten sie die Bauarbeiten für einen Tag lahm. Dabei wurden 150 bis 200 Menschen festgenommen. Der Verband der Internetwirtschaft eco verurteilt die Aktion nun ausdrücklich. Geschäftsführer Alexander Rabe warnt vor möglichen Folgen für kritische Infrastruktur.
Der Protest in Amsterdam
Zu der Aktion hatte die Gruppierung Geef Tegengas aufgerufen, die sie als ersten Massenprotest gegen große Rechenzentren in Europa bezeichnete. Der Bürgermeister hatte eine Demonstration zuvor verboten, die Polizei stoppte einen Marsch zur Baustelle im Stadtteil Sloterdijk.
Berichten zufolge brachen Teilnehmer mit Werkzeug Zäune auf, kletterten auf einen Kran und sprühten Schriftzüge gegen Microsoft auf Mauern; ein Teil verließ das Gelände freiwillig. Geef Tegengas argumentiert, das Rechenzentrum verbrauche so viel Strom wie alle Haushalte Amsterdams zusammen und verzögere den Bau von 30.000 Wohnungen. Ein Sprecher warf Microsoft zudem vor, den militärischen Einsatz Künstlicher Intelligenz zu unterstützen. Microsoft erklärte, man billige keine Handlungen, die gegen das Gesetz verstießen oder die Sicherheit von Menschen gefährdeten.
Warnung vor Risiken für die Versorgung
Rabe verweist darauf, dass Rechenzentren zur kritischen Infrastruktur zählen und Krankenhäuser sowie andere lebenswichtige Einrichtungen auf ihren zuverlässigen Betrieb angewiesen seien. Wer Betrieb oder Sicherheit beeinträchtige, könne im schlimmsten Fall Menschenleben gefährden. Friedlicher Protest sei ein Grundrecht, doch wer Absperrungen überwinde, unbefugt Baustellen betrete und Baukräne besetze, überschreite eine klare Grenze und gefährde auch Menschen vor Ort. Das sei keine akzeptable Form der politischen Auseinandersetzung. Die Warnung vor Eingriffen in den Betrieb ist allgemein gehalten. In Amsterdam handelt es sich um eine Baustelle.
Rechenzentren als Grundlage der Digitalisierung
„Rechenzentren sind nicht der Feind“, sagt Rabe. Sie seien das Fundament der Digitalisierung und sicherten Wohlstand, Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit; Cloud-Dienste, digitale Verwaltung, industrielle Anwendungen und Künstliche Intelligenz funktionierten ohne sie nicht. Kritik an einzelnen Technologiekonzernen könne berechtigt sein, dürfe aber nicht in eine pauschale Ablehnung der Infrastruktur münden.
Baustopp und Wasserverbrauch
Forderungen nach einem europaweiten Baustopp weist eco zurück. Laut Rabe gehören Rechenzentren in Deutschland und Europa im internationalen Vergleich zu den energieeffizientesten. Werde der Ausbau hier verhindert, entstünden neue Kapazitäten womöglich in Weltregionen mit niedrigeren Effizienzstandards und höheren Umweltbelastungen, was dem Klima schade und Europas digitale Souveränität schwäche.
Zur Kritik am Wasserverbrauch fordert Rabe eine sachliche Debatte. Viele Rechenzentren in Deutschland nutzten bereits Kühlverfahren ohne laufenden Wasserverbrauch: In geschlossenen Kreisläufen werde das Kühlmedium wiederholt verwendet, bei trockener Rückkühlung müsse im Normalbetrieb nicht kontinuierlich Frischwasser zugeführt werden. Energie und Wasser müssten dennoch effizient eingesetzt und die Auswirkungen neuer Standorte transparent gemacht werden.

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de