| Warum Frauen in der Cybersicherheit besonders gut für KI-Leadership geeignet sind, erklärt Heather Barnhart, DFIR Curriculum Lead & Head of Faculty SANS Institute. | Heather Barnhart, DFIR Curriculum Lead & Head of Faculty at the SANS Institute, explains why women in cybersecurity are particularly well-suited for AI leadership. |
| Künstliche Intelligenz klingt kompetent. Sie antwortet flüssig, formuliert präzise und wirkt dabei so überzeugend, dass man ihr nur allzu gern glaubt – selbst wenn sie falsch liegt. Genau darin liegt das Problem. Und genau deshalb sind Frauen, die ihre Karriere in der Cybersicherheit und verwandten IT-Bereichen aufgebaut haben, besonders gut positioniert, um in der KI-Ära eine Führungsrolle zu übernehmen. Das klingt zunächst paradox. Warum sollte eine Technologie, die oft als Domäne der Ingenieure und Datenwissenschaftler gilt, ausgerechnet jene Menschen an die Spitze bringen, die sich in diesem Feld traditionell erst ihren Platz erkämpfen mussten? Die Antwort liegt nicht in der Technologie selbst, sondern in den Fähigkeiten, die für ihren verantwortungsvollen Einsatz gebraucht werden. Frauen in der Cybersicherheit haben ihre Karriere häufig in Umgebungen verbracht, in denen Fehler keine akademischen Korrekturen sind, sondern reale Konsequenzen haben – für Unternehmen, für Klienten, manchmal für nationale Infrastrukturen. In solchen Hochdruckumfeldern ist die Messlatte für sie oft noch höher angesetzt als für ihre männlichen Kollegen. Das zwingt zur Disziplin. Es zwingt zur Präzision. Es zwingt dazu, Annahmen zu hinterfragen und Beweise vorzulegen, bevor Urteile gefällt werden. Und es lehrt, wie gefährlich blinder Vertrauen sein kann. Genau diese Haltung fehlt vielen Organisationen im Umgang mit KI.
Das Outsourcing des Denkens vervielfacht das Risiko Eines der größten Risiken im KI-Zeitalter ist nicht die Technologie selbst – es ist das Outsourcing des Denkens. Analysten, die KI-Zusammenfassungen ungeprüft übernehmen. Teams, die Empfehlungen direkt aus einem KI-Agenten in Entscheidungsunterlagen kopieren. Führungskräfte, die davon ausgehen, dass ein System, das so eloquent klingt, auch die Quellenkritik übernommen haben muss. Es hat es nicht. KI kann beim Denken helfen – sie kann recherchieren, strukturieren, beschleunigen. Aber sie kann das Denken nicht ersetzen. Wenn Menschen diesen Unterschied vergessen, vervielfacht sich das Risiko. Das ist keine Hypothese; es ist Praxis. Und Frauen, die gelernt haben, ihre eigene Arbeit auf Herz und Nieren zu prüfen, weil andere es sonst tun würden, kennen dieses Prinzip in- und auswendig. Die Gewohnheit, zu validieren, zu überprüfen und erst dann zu urteilen – sie entstand nicht aus Prinzipienreiterei. Sie entstand oft aus der Erfahrung, dass die eigene Arbeit einem erhöhten Prüfmaßstab ausgesetzt war. Was einst als Bürde erlebt wurde, erweist sich heute als Kompetenz. Wenn Bequemlichkeit zur Sicherheitslücke wird Ein weiteres, oft unterschätztes Risiko liegt in der unachtsamen Datenweitergabe. Es passiert häufiger als man denkt: Vertrauliche Dokumente werden in öffentliche KI-Dienste hochgeladen, ohne dass die Verantwortlichen bedenken, wohin diese Daten fließen oder wer darauf zugreifen könnte. Ein konkretes Beispiel: Ein kleineres Partnerunternehmen lud interne Kundendokumente in ein KI-Tool hoch, um eine Aufgabe zu beschleunigen. Die Dateien wurden von Angreifern abgefangen. Führungskräfte wurden anschließend mit Informationen erpresst, von denen sie nicht einmal wussten, dass sie das Unternehmen verlassen hatten. Datenbewusstsein, Sicherheitsdenken und die Disziplin, nicht jeden Komfort auf Kosten der Sicherheit anzunehmen – das sind Qualitäten, die in sicherheitssensiblen Berufsfeldern selbstverständlich sind. Dort, wo Frauen besonders häufig tätig sind und tätig waren: in Compliance, im Risikomanagement, in der IT-Forensik. Felder, in denen man gelernt hat, dass Bequemlichkeit und Sicherheit selten Hand in Hand gehen. Die Führungsqualitäten, die die KI-Ära braucht Das alles führt zu einer einfachen, aber weitreichenden Schlussfolgerung: Die Fähigkeiten, die das KI-Zeitalter am dringendsten braucht, sind keine technischen Fähigkeiten im klassischen Sinne. Es sind Haltungen. Kritisches Denken. Bereitschaft, unbequeme Fragen zu stellen. Verantwortungsgefühl für Ergebnisse. Die Disziplin, Urteile nicht auszulagern. Viele Frauen in der Cybersicherheit und verwandten Feldern haben genau das über Jahre hinweg kultiviert – oft unter Bedingungen, die es ihnen nicht leicht gemacht haben. Sie haben gelernt, in Systemen zu arbeiten, die Fehler bestrafen und Sorgfalt belohnen. Sie haben gelernt, Vertrauen zu verdienen statt vorauszusetzen. Das sind die Führungsqualitäten, die gebraucht werden, um eine Kultur der verantwortungsvollen KI aufzubauen. Nicht in Konferenzräumen, in denen über KI-Strategie philosophiert wird, sondern in den täglichen Entscheidungen: Was geben wir dem System? Was glauben wir ihm? Wofür übernehmen wir Verantwortung? Der Erfolg von KI in Organisationen hängt letztlich nicht von der Qualität der Modelle ab. Er hängt von der Qualität der Menschen ab, die sie einsetzen. Und die besten Voraussetzungen dafür bringen oft genau jene mit, die sich ihren Platz in einer skeptischen Umgebung erst erarbeiten mussten. |
Artificial intelligence sounds competent. It responds fluently, phrases things precisely, and comes across so convincingly that people are all too ready to believe it – even when it’s wrong. That’s precisely the problem. And that’s precisely why women who have built careers in cybersecurity and related IT fields are uniquely positioned to take on leadership roles in the AI era. At first glance, this seems paradoxical. Why would a technology so often associated with engineers and data scientists bring to the forefront the very people who historically had to fight for their place in that world? The answer lies not in the technology itself, but in the skills required to deploy it responsibly. Women in cybersecurity have frequently built their careers in environments where mistakes aren’t academic corrections – they have real consequences, for companies, for clients, sometimes for national infrastructure. In these high-pressure environments, the bar for them is often set even higher than for their male colleagues. That demands discipline. It demands precision. It demands questioning assumptions and providing evidence before rendering judgment. And it teaches how dangerous blind trust can be. That mindset is exactly what many organizations lack when it comes to AI.
Outsourcing Thinking Multiplies Risk One of the greatest risks in the AI age isn’t the technology itself – it’s the outsourcing of thinking. Analysts accepting AI summaries without scrutiny. Teams copying recommendations directly from AI agents into decision documents. Executives assuming that a system speaking so eloquently must have handled fact-checking on its own. It hasn’t. AI can assist with thinking – it can research, structure, accelerate. But it cannot replace thinking. When people forget that distinction, risk multiplies. This isn’t hypothetical; it’s happening. And women who have learned to scrutinize their own work – because others would if they didn’t – understand this principle viscerally. The habit of validating, verifying, and only then judging didn’t emerge from perfectionism. It often emerged from the experience of being held to a higher standard. What was once experienced as a burden turns out to be a competency. When Convenience Becomes a Security Vulnerability Another frequently underestimated risk lies in careless data sharing. It happens more often than you’d think: confidential documents are uploaded to public AI services without anyone considering where that data flows or who might access it. A concrete example: a small partner company uploaded internal client documents to an AI tool to speed up a task. The files were intercepted by attackers. Executives were subsequently extorted using information they didn’t even know had left the building. Data awareness, security thinking, and the discipline not to sacrifice security for convenience – these are qualities that come naturally in security-sensitive professions. Fields where women have been and continue to be particularly active: compliance, risk management, IT forensics. Fields where you learn that convenience and security rarely go hand in hand. Leadership Qualities the AI Era Demands All of this leads to a simple but far-reaching conclusion: the skills the AI age most urgently needs are not technical skills in the traditional sense. They are mindsets. Critical thinking. Willingness to ask uncomfortable questions. A sense of accountability for outcomes. The discipline not to outsource judgment. Many women in cybersecurity and related fields have cultivated exactly that over years – often under conditions that didn’t make it easy. They’ve learned to work in systems that penalize mistakes and reward diligence. They’ve learned to earn trust rather than assume it. These are the leadership qualities needed to build a culture of responsible AI. Not in conference rooms philosophizing about AI strategy, but in the daily decisions: What do we feed the system? What do we believe it tells us? What do we take responsibility for? The success of AI in organizations ultimately doesn’t depend on the quality of the models. It depends on the quality of the people deploying them. And the best preparation for that role often comes from those who had to earn their place in a skeptical environment. |

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
Dr. Jakob Jung is Editor-in-Chief of Security Storage and Channel Germany. He has been working in IT journalism for more than 20 years. His career includes Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (storage and data center) and ChannelBiz. He also freelances for numerous IT publications, including Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider and ZDnet. His main topics are channel, storage, security, data center, ERP and CRM.
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