Storpool argumentierte auf der IT Press Tour, dass souveräne Infrastruktur, VMware-Migrationsdruck und Hardwareknappheit konvergieren – und dass softwaredefinierter Speicher die strukturelle Antwort ist.
Auf der IT Press Tour in Sofia skizzierte das Führungsteam des bulgarischen Storage-Anbieters StorPool Storage vier konvergierende Entwicklungen, die die IT-Infrastruktur von Unternehmen neu gestalten. Das Unternehmen glaubt, dass seine softwaredefinierte Speicherplattform strukturell für jede davon geeignet ist.
StorPool, 2011 in Sofia gegründet, betreibt eine Block-Level-Software-defined-Storage-Plattform (SDS) für private und öffentliche Clouds sowie Hosting-Anbieter und große Unternehmen. Das Unternehmen beschäftigt rund 60 Mitarbeiter, ist in mehr als 30 Ländern tätig und gehört den Gründern – ein Punkt, auf den CEO Boyan Ivanov mehrfach als Zeichen von Nachhaltigkeit statt auf Risikokapital ausgerichtetem Wachstum hinwies.
Die Plattform liefert Block-Storage-Software, die auf handelsüblicher Server-Hardware läuft und sich als Ersatz für traditionelle Storage Area Networks (SANs), All-Flash-Arrays und konkurrierende SDS-Produkte wie VMware vSAN, Dell PowerFlex und IBM Storage Ceph positioniert. Technische Kennzahlen umfassen eine Latenz von unter 100 Mikrosekunden, eine gemessene Verfügbarkeit von über 99,999 Prozent und die Fähigkeit, online von 10 Terabyte auf über 50 Petabyte zu skalieren, ohne laufende Workloads zu unterbrechen.
DER VMWARE-FAKTOR
Das am ausführlichsten diskutierte Thema war der sogenannte VMware-Exodus. Nach der Übernahme von VMware durch Broadcom sahen sich viele Kunden mit Lizenzänderungen konfrontiert, die die Kosten für einige Deployments um den Faktor zehn erhöhten. StorPool präsentierte drei Angebote für VMware-Kunden: erstens StorPool Storage als Speicher-Layer im KVM-Stack; zweitens StorPool One, angekündigt am 19. März 2026, das Compute, Storage und Management in einem integrierten Stack bündelt; drittens ein gemeinsames Angebot mit Oracle, das Oracle Linux Virtualization Manager einbindet.
Ein Fünf-Jahres-Kostenvergleich zeigte StorPool One bei rund 1,13 Millionen Dollar gegenüber 3,15 Millionen Dollar für VMware Cloud Foundation bei einem 1.800-Kern-Deployment – eine Einsparung von rund 64 Prozent. Die Oracle-Variante wurde als rund 71 Prozent günstiger über fünf Jahre angegeben.
EU-DATENSOUVERÄNITÄT UND CLOUD-REPATRIIERUNG
StorPool adressierte die europäische Datensouveränität als zweiten Trend. Ivanov beschrieb ein Gespräch mit einem Kontakt bei der Europäischen Kommission, der festgestellt hatte, dass zentrale EU-Systeme auf chinesischer Hardware und US-Software laufen. Als europäisches Unternehmen ohne US-Muttergesellschaft kann StorPool eine glaubwürdige nicht-amerikanische Herkunft vorweisen – ein Faktor, der nach Angaben des Unternehmens von potenziellen Kunden in Europa, dem Nahen Osten und Asien explizit angeführt wird.
StorPool nimmt an der EuroStack Pack-Initiative teil, einem Konsortium zur Entwicklung eines vollständig europäisch bezogenen Infrastruktur-Stacks.
KI-INFRASTRUKTUR
KI wurde als dritter Trend angesprochen, wobei das Unternehmen zurückhaltend in seinen Ansprüchen blieb. Die relevanten Anwendungsfälle für StorPool sind Inferenz-Workloads, Retrieval-Augmented Generation (RAG) und Vektordatenbanken, die alle von Block-Storage mit niedriger Latenz profitieren.
HARDWARE-KNAPPHEIT UND RESSOURCENEFFIZIENZ
Der vierte Trend betrifft die kombinierte Wirkung von Hardware-Preissteigerungen und Lieferkettenengpässen. Der CTO von StorPool stellte fest, dass 40 Prozent des Heliums und 45 Prozent des Neons in der Krisenregion Naher Osten produziert werden, was die Halbleiterfertigung beeinträchtigt. StorPool begegnet diesem Umfeld mit einem ressourcenleichten Footprint von 10 bis 15 Prozent der Host-CPU und RAM sowie der Verlängerung der SSD-Lebensdauer: In einem dokumentierten Deployment wurden nach fünf Jahren Transaktions-Datenbank-Workloads lediglich 16 Prozent der SSD-Ausdauer verbraucht.
EIN ÜBERGREIFENDES WIRTSCHAFTLICHES ARGUMENT
Über alle vier Trendbereiche hinweg argumentierte StorPool, dass die Optimierung des Speichers multiplizierende Auswirkungen auf den gesamten Infrastruktur-Stack hat: weniger Netzwerk-Ports, höhere VM-Dichte, weniger Racks und potenziell weniger Rechenzentren. Zitierte Fallstudien umfassen Atos (Eliminierung von Wartungsfenstern), CloudSigma (15 Prozent Margenverbesserung), Dustin (Reduzierung des Storage-Managementpersonals von 50 auf 5) und Namecheap (60 Prozent höhere VM-Dichte pro Rack).

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
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