Der DSAG-Investitionsreport 2026 und die Technologietage in Hamburg zeigen: SAP bleibt für Anwenderunternehmen im DACH-Raum relevant – doch Budgets werden kritischer vergeben, Cloud-Modelle stehen auf dem Prüfstand, und Künstliche Intelligenz etabliert sich langsam, aber noch nicht flächendeckend.

Steigende IT-Budgets, aber differenziertere Entscheidungen: Die  Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG) zeichnet ein klares Bild des SAP-Ökosystems im Jahr 2026. Investitionen folgen weniger strategischen Visionen als vielmehr konkreten Fragen nach Wirtschaftlichkeit, Umsetzbarkeit und Integrationsfähigkeit. S/4HANA gewinnt weiter an Bedeutung, On-Premises bleibt bevorzugtes Modell, und Künstliche Intelligenz findet ihren Weg in die Unternehmen – hauptsächlich noch über Nicht-SAP-Lösungen.

Budgets wachsen – aber langsamer als zuvor

Auch 2026 steigen die IT- und SAP-Investitionsbudgets bei einem beachtlichen Teil der Unternehmen – jedoch bei weniger als noch 2024. Bei 38 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) wächst das IT-Gesamtbudget; vor zwei Jahren waren es noch 43 Prozent. Bei 24 Prozent sinkt es (2024: 18 Prozent). Die SAP-spezifischen Budgets steigen bei 43 Prozent (2024: 46 Prozent), während 28 Prozent der Befragten dort Rückgänge verzeichnen (2024: 19 Prozent).

DSAG-Vorstandsvorsitzender Jens Hungershausen erklärt diesen Trend mit dem anhaltenden wirtschaftlichen Druck: Energiepreise, geopolitische Unsicherheiten und ein angespanntes Marktumfeld führten dazu, dass Investitionen kritischer hinterfragt und teilweise verschoben werden. Aus DSAG-Sicht investieren Unternehmen gezielter, ohne SAP grundsätzlich infrage zu stellen, so Hungershausen.

SAP selbst bleibt für die meisten Unternehmen strategisch relevant: 36 Prozent sehen eine zunehmende Relevanz, 48 Prozent eine gleichbleibende – nur 16 Prozent berichten von einem Bedeutungsverlust.

S/4HANA On-Premises: Weiterhin bevorzugtes ERP-Modell

Bei den ERP-Lösungen führt S/4HANA On-Premises mit 56 Prozent Nutzung (2024: 44 Prozent) erstmals vor SAP ECC bzw. der alten SAP Business Suite mit 54 Prozent (2024: 68 Prozent). Die S/4HANA Private Cloud wächst auf 17 Prozent (2024: 11 Prozent), während die Public Cloud bei 5 Prozent stagniert.

Für 2026 planen 42 Prozent der Befragten hohe oder mittlere Investitionen in S/4HANA On-Premises, 22 Prozent in die Private Cloud und lediglich 6 Prozent in die Public Cloud. Die Botschaft ist eindeutig: Unternehmen entscheiden differenziert nach Passfähigkeit, Investitionsschutz und Migrationsaufwand – und nicht nach dem Cloud-First-Prinzip.

Ein erheblicher Teil der noch auf SAP ECC laufenden Unternehmen plant den Umstieg auf S/4HANA erst bis Ende 2030 – womit diese in die kostenpflichtige Extended Maintenance fallen. 37 Prozent wollen bis Ende 2027 wechseln, 4 Prozent erst bis 2033. Komplexe Systemlandschaften, Fachkräftemangel und parallele Transformationsprojekte zwingen viele IT-Abteilungen, Zeitpläne nach hinten zu verschieben, selbst wenn das höhere Wartungskosten bedeutet.

Cloud-Modelle und neues SAP-Zielbild: Interesse mit Vorbehalten

Das neue SAP-Zielbild – bestehend aus Cloud-ERP, SAP Business AI, SAP Business Data Cloud und der Business Technology Platform (BTP) – orientiert derzeit nur eine Minderheit der Unternehmen bei der Investitionsplanung. Lediglich 35 Prozent richten ihre Pläne stark oder sehr stark daran aus; 62 Prozent tun dies weniger stark oder gar nicht.

Ähnlich verhält es sich mit der SAP Integrated Toolchain (Cloud ALM, Signavio, LeanIX, WalkMe): 24 Prozent nutzen sie bereits, 39 Prozent planen eine teilweise Nutzung. 17 Prozent sehen keine Nutzung vor. Hungershausen sieht darin eine klare Erwartungshaltung: Unternehmen wollen konkrete Aussagen zu Mehrwert, Integration und wirtschaftlicher Tragfähigkeit – erst dann fließen strategische Konzepte in reale Budgetentscheidungen.

Bei den SaaS-Lösungen führt die BTP mit 39 Prozent geplanter hoher oder mittlerer Investitionen (2024: 33 Prozent), gefolgt von SuccessFactors mit 23 Prozent und der neuen SAP Business Data Cloud mit 22 Prozent. Innerhalb der BTP steigen die Investitionspläne für Integration auf 45 Prozent (2024: 27 Prozent) und für KI auf 16 Prozent (2024: 2 Prozent) besonders stark.

Künstliche Intelligenz: Non-SAP-Lösungen dominieren die Praxis

43 Prozent der befragten Unternehmen haben bereits KI-Use-Cases umgesetzt – 51 Prozent noch nicht. Von denen, die bereits aktiv sind, setzen 77 Prozent auf Non-SAP-Lösungen in der Produktion, während nur 3 Prozent SAP-basierte KI produktiv einsetzen. Auch in der Testphase dominieren Nicht-SAP-Lösungen mit 65 Prozent gegenüber 8 Prozent bei SAP.

Als Hemmnis nennt die DSAG komplexe Lizenzmodelle und heterogene, oft stark individualisierte Systemlandschaften. Diese erschweren die breite Nutzung SAP-basierter KI-Szenarien. Die Anwendergruppe fordert mehr Wahlfreiheit, Transparenz und realistische Migrationspfade – und sieht den hohen Anteil an Non-SAP-KI-Implementierungen als Signal an den Hersteller.

Auf den DSAG-Technologietagen 2026 in Hamburg (17.–18. März) mit mehr als 3.000 Teilnehmenden war KI einer von drei Themenschwerpunkten – neben Datenmanagement und IT-Sicherheit. Stefan Nogly, DSAG-Fachvorstand Technologie, betonte, dass KI nicht als lose Sammlung von Use-Cases verstanden werden darf, sondern als orchestriertes System entlang klarer Richtlinien funktionieren muss. SAP müsse zudem die Einführung von KI weiter vereinfachen und Unternehmen Klarheit über zukünftige Architekturen geben.

Datenstrategie und Sicherheit als strategische Fundamente

Die SAP Business Data Cloud (BDC) soll als einheitliche Datenplattform die Grundlage für KI und Analytics schaffen. Die DSAG sieht hier noch Entwicklungsbedarf: Unternehmen benötigen vorgefertigte Datenprodukte, klare Katalogisierung und ein Mapping zwischen kundenspezifischen Strukturen und Standardprodukten.

IT-Sicherheit bildet laut DSAG das Fundament für die verantwortungsvolle Nutzung von Cloud und KI. Da KI auch als Angriffsmittel eingesetzt werden kann, wächst die Angriffsfläche. Nogly fordert transparente Entscheidungswege, klar definierte Freigaben und regulatorische Nachvollziehbarkeit – sowohl technisch als auch organisatorisch.

Herausforderungen und Erwartungen an SAP

Die Umfrage erfasste erstmals die Top-5-Herausforderungen, die SAP-Investitionsentscheidungen beeinflussen:

  • Wirtschaftlichkeit von Investitionen in SAP-Software: 79 %
  • Wirtschaftliche Rahmenbedingungen: 79 %
  • SAP-Lizenz- und Vertragsgestaltung: 70 %
  • Wartungsende: 63 %
  • Umsetzung gesetzlicher Vorgaben: 59 %

Die übergeordneten Investitionsziele lauten laut Erhebung: Digitale Transformation und Prozessmodernisierung, Kostenoptimierung und Effizienzsteigerung sowie Compliance und Sicherheit. Unternehmen erwarten von SAP Transparenz, Wahlfreiheit, wirtschaftlich tragfähige Modelle und realistische Migrationspfade.

Von Jakob Jung

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM. Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner