Auf der Oracle AI World Tour in Frankfurt präsentierte das Unternehmen am 12. März 2026 seine Multicloud-Strategie und agentenbasierte KI-Anwendungen. |
At the Oracle AI World Tour in Frankfurt on March 12, 2026, the company presented its multicloud strategy and agent-based AI applications. |
| Oracle nutzte seine AI World Tour in Frankfurt am 12. März 2026, um vor mehreren hundert Unternehmensvertretern ein breites Themenspektrum abzudecken: von Finanzrekorden über Cloud-Infrastruktur bis hin zu agentenbasierter KI und der Frage, wie weit europäische Datensouveränität in der Praxis wirklich reicht. Was dabei deutlich wurde: Das Unternehmen positioniert sich nicht länger nur als Datenbankanbieter, sondern als vollständiger KI-Stack-Lieferant – von der Netzwerkschicht bis zur Anwendungsebene.
Finanzieller Rückenwind Als Hintergrundfolie für die Veranstaltung dienten die am Vortag veröffentlichten Quartalszahlen. Oracle meldete für Q3 des Fiskaljahres 2026 einen Gesamtumsatz von 17,2 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Cloud-Erlöse stiegen sogar um 44 Prozent auf 8,9 Milliarden Dollar. Laut Eigenangabe war es das erste Quartal seit mehr als 15 Jahren, in dem sowohl der organische Gesamtumsatz als auch der Non-GAAP-Gewinn je Aktie in US-Dollar um mehr als 20 Prozent wuchsen. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 1,79 Dollar – über der eigenen Prognose. Diese Zahlen gaben der Konferenz einen selbstbewussten Ton. Infrastruktur als echtes Differenzierungsmerkmal Den technischen Kern der Veranstaltung bildete Andrew Bond, CTO EMEA, der in seiner Keynote argumentierte, warum sich Oracle Cloud Infrastructure (OCI) strukturell von anderen Hyperscalern unterscheide. Das zentrale Argument: OCI sei von Beginn an als Bare-Metal-Plattform konzipiert worden – ohne die historisch gewachsenen Virtualisierungsschichten der älteren Cloud-Anbieter. Daraus leite sich eine höhere Recheneffizienz und ein günstigeres Preis-Leistungs-Verhältnis ab. Konkret verwies Bond auf das RDMA-Netzwerk über RoCE v2, das ursprünglich für hochdichte Datenbankworkloads entwickelt wurde und nun AI-Supercluster ermöglicht. Die neue Acceleron-NIC-Architektur reduziere die Verkabelungskomplexität erheblich. Beim Datentransfer aus der Cloud gewährt Oracle monatlich 10 Terabyte kostenfrei; darüber liegende Mengen werden mit rund zehn Prozent der Marktpreise anderer Anbieter abgerechnet. OCI bietet inzwischen 8 Millionen IOPS pro Instanz im Block-Storage-Bereich bei einer durchschnittlichen Latenz von 350 Mikrosekunden. Multicloud als Strategie, nicht als Kompromiss Ein Thema, das sich durch mehrere Sessions zog, war die Multicloud-Positionierung. Bond bezeichnete es als Irrtum anzunehmen, alle Hyperscaler seien gleichwertig. Oracle betreibt mittlerweile die Oracle Database in fremden Clouds: Nach dem Start mit Microsoft Azure im Jahr 2024 ist der Dienst inzwischen an 50 Standorten auch bei Google und AWS weltweit verfügbar, 18 weitere bei AWS sind bereits geplant. Zusätzlich kündigte Oracle universelle Cross-Cloud-Credits an – ein Mechanismus, der Datenbankguthaben zwischen AWS, Azure und Google Cloud übertragbar machen soll. Die dahinterliegende Logik ist klar: Portabilität als aktives Verkaufsargument gegenüber Kunden, die eine Bindung an einen einzelnen Anbieter fürchten. „Choice by Design is the future of cloud“ – diese Formulierung tauchte sowohl in Keynotes als auch in Kundengesprächen immer wieder auf. Souveräne Cloud: Wo Regulierung auf technische Realität trifft Besonderes Gewicht hatte das Thema Datensouveränität. Stefan Moch, Vice President Health bei Arvato Systems, schilderte im Kundenpanel die Ausgangslage seines Unternehmens: Arvato betreibt im Auftrag von Pharmaunternehmen Serialisierungsdienste zur Bekämpfung von Medikamentenfälschungen in Europa – eine regulatorisch hochsensible Infrastruktur. Seit 2019 gelten verschärfte EU-Anforderungen an die Speicherung und Verarbeitung von Gesundheitsdaten. Nach einem Wechsel zu OCI im vergangenen Jahr bewertet Moch die Migration als positiver als erwartet: Oracle Sovereign Cloud biete das erforderliche Maß an Kontrolle bei einem als fair eingeschätzten Preisniveau. Die geografische Expansion schreitet dabei weiter voran – neben Frankfurt betreibt Oracle einen weiteren Sovereign-Cloud-Standort in Madrid, beide ausschließlich mit europäischem Personal besetzt. KI in Unternehmensanwendungen: Agenten, aber mit Augenmaß Hari Sankar, SVP Software Development bei Oracle, präsentierte den aktuellen Stand der KI-Integration in Oracle Fusion Applications. Das Versprechen: innerhalb von 60 Tagen messbare Ergebnisse mit KI-gestützten Prozessen. Konkrete Beispiele umfassten automatisiertes Financial Performance Monitoring, agentenbasierte HR-Workflows sowie ein natürlichsprachliches SQL-Interface (OraPlan/NLSQL), das derzeit Englisch und Chinesisch unterstützt – Deutsch soll folgen. Mark Lucas, VP Group HR Automation and Data bei DHL, beschrieb die konzerneigene Transformation eindrücklich: Von einst 400 verschiedenen HR-Systemen hat das Unternehmen die Landschaft auf eine Handvoll Kernplattformen reduziert; rund 200.000 der 600.000 Mitarbeitenden sind mittlerweile auf vier Oracle-Instanzen konsolidiert. Oracle-KI-Agenten ersetzen dort zunehmend RPA-Lösungen und ermöglichen laut Lucas produktivere HR-Prozesse – bei gleichzeitig strikter Einhaltung regulatorischer Anforderungen. Dr. Ingo Laue vom Oracle-Produktteam stellte in einer separaten Session die allgemeine KI-Architektursicht dar: Oracle unterstützt Modelle von OpenAI, Meta, Cohere, Grok und Google sowie über Hugging Face eine Vielzahl weiterer Anbieter. Cohere wird dabei als besonders geeignet für Unternehmensszenarien mit proprietären Daten hervorgehoben. Für agentenbasierte Anwendungen hat Oracle eine Referenzarchitektur entwickelt, die auf dem Open Agent Specification-Standard der Linux Foundation (Agntcy-Projekt, gemeinsam mit Cisco) basiert. Bemerkenswert: Ein KI-Assistent für interne Supportanfragen beantwortet bereits 64 Prozent der Anfragen, bevor überhaupt ein Support-Ticket eröffnet wird. Deutschland hinkt hinterher – und weiß es Andreas Kiessling, VP Technology Sales Oracle Deutschland, beschrieb im Medien-Roundtable eine veränderte Gesprächsdynamik: Meetings mit Kunden finden seit einigen Monaten auf höherer Führungsebene statt, CEOs nehmen das Thema KI zunehmend selbst in die Hand. Unternehmen fragten nicht mehr nur nach technischer Implementierung, sondern nach strategischer KI-Positionierung. Gleichzeitig benannte Kiessling offen die Bremsfaktoren: Datenschutzbedenken sind real, die Lernkurve bei KI-Implementierungen ist steil, und der Wunsch nach Perfektion verzögert in Deutschland häufig den Einstieg. „Wir müssen wagen, keine hundert Prozent zu erreichen“, so Kiessling sinngemäß. Das Potenzial im Gesundheitswesen sei dabei erheblich – Institutionen wie die Mayo Clinic in den USA zeigten, was mit KI auf Basis realer Patientendaten möglich sei. Deutschland liege dort deutlich zurück. Die Oracle AI World Tour Frankfurt 2026 zeigte ein Unternehmen in klarer Aufbruchstimmung – technisch solide aufgestellt, finanziell stark und zunehmend bereit, den deutschen Markt nicht nur mit Produkten, sondern auch mit strategischer Offenheit zu adressieren. Die Botschaft war eindeutig: Wer bei KI zögert, zahlt den Preis später. |
Oracle used its AI World Tour stop in Frankfurt on March 12, 2026 to address an audience of several hundred corporate representatives across a broad range of topics: from financial records and cloud infrastructure to agent-based AI and the question of how far European data sovereignty actually extends in practice. The key takeaway: Oracle is no longer positioning itself merely as a database vendor, but as a full-stack AI provider—from the network layer to the application level.
Financial Tailwind The backdrop for the event was provided by the quarterly results released the day before. Oracle reported total revenue of $17.2 billion for Q3 of fiscal year 2026—a 22 percent increase year-over-year. Cloud revenues rose by 44 percent to $8.9 billion. According to the company, it was the first quarter in more than 15 years in which both organic total revenue and non-GAAP earnings per share in US dollars grew by more than 20 percent. Adjusted EPS came in at $1.79, exceeding guidance. Infrastructure as a Real Differentiator The technical centerpiece of the event was Andrew Bond, CTO EMEA, who argued in his keynote why Oracle Cloud Infrastructure (OCI) is structurally different from other hyperscalers. The core argument: OCI was designed from the ground up as a bare-metal platform, without the legacy virtualization layers that have historically accumulated at older cloud providers. This translates into higher compute efficiency and a more favorable price-performance ratio. Bond pointed specifically to the RDMA network over RoCE v2, originally developed for high-density database workloads and now enabling AI superclusters. Oracle also offers 10 terabytes of monthly egress at no charge, with additional data priced at roughly ten percent of what other providers charge. OCI now delivers 8 million IOPS per instance in block storage, with an average latency of 350 microseconds. Multicloud as Strategy, Not Compromise Multicloud positioning was a thread running through multiple sessions. Bond argued it is a mistake to assume all hyperscalers are equivalent. Oracle now runs the Oracle Database in third-party clouds: after launching with Microsoft Azure in 2024, the service is now available at 50 locations with Google and AWS worldwide, with 18 additional AWS sites planned. Oracle also announced universal cross-cloud credits—a mechanism for transferring database credits between AWS, Azure, and Google Cloud. The underlying logic: portability as a sales argument for customers wary of single-vendor lock-in. „Choice by Design is the future of cloud“ was a phrase that recurred in keynotes and customer conversations alike. Sovereign Cloud: Where Regulation Meets Technical Reality Data sovereignty carried particular weight at the event. Stefan Moch, Vice President Health at Arvato Systems, described his company’s situation in the customer panel: Arvato operates serialization services for pharmaceutical companies to combat counterfeit medicines across Europe—a highly regulated infrastructure. Since 2019, stricter EU requirements have applied to the storage and processing of health data. After migrating to OCI last year, Moch assessed the move as more positive than expected, noting that Oracle Sovereign Cloud provides the required level of control at a price point he considers fair. Geographically, Oracle operates Sovereign Cloud sites in Frankfurt and Madrid, both staffed exclusively with European personnel. AI in Enterprise Applications: Agents, With Human Oversight Hari Sankar, SVP Software Development at Oracle, presented the current state of AI integration in Oracle Fusion Applications, promising measurable results within 60 days. Examples included automated financial performance monitoring, agent-based HR workflows, and a natural-language SQL interface (OraPlan/NLSQL) currently supporting English and Chinese, with German to follow. Mark Lucas, VP Group HR Automation and Data at DHL, described a striking transformation: from 400 disparate HR systems down to a handful of core platforms, with around 200,000 of DHL’s 600,000 employees now consolidated on four Oracle instances. Oracle AI agents are increasingly replacing RPA solutions, enabling more productive HR processes while maintaining strict regulatory compliance. Dr. Ingo Laue from Oracle’s product team outlined the general AI architecture vision: Oracle supports models from OpenAI, Meta, Cohere, Grok, and Google, as well as a range of additional providers via Hugging Face. Cohere is highlighted as particularly suited for enterprise scenarios involving proprietary data. For agent-based applications, Oracle has developed a reference architecture based on the Open Agent Specification standard from the Linux Foundation (the Agntcy project, co-developed with Cisco). Notably, an internal AI support assistant already resolves 64 percent of requests before a support ticket is ever opened. Germany Lags Behind—And Knows It Andreas Kiessling, VP Technology Sales at Oracle Germany, described a shift in customer conversations: meetings have increasingly moved to senior leadership levels, with CEOs now personally driving the AI agenda. Companies are no longer asking purely about technical implementation—they want strategic AI positioning. At the same time, Kiessling was candid about the obstacles: privacy concerns are real, the learning curve for AI implementation is steep, and the pursuit of perfection frequently delays adoption in Germany. „We need to be willing to fall short of a hundred percent,“ he said in essence. He sees significant untapped potential in healthcare, pointing to institutions like the Mayo Clinic in the US as examples of what’s possible with AI built on real patient data—an area where Germany lags considerably. The Oracle AI World Tour Frankfurt 2026 presented a company in confident forward motion: technically solid, financially strong, and increasingly willing to engage the German market not just with products, but with strategic candor. The message was clear: those who hesitate on AI will pay the price later. |

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
Dr. Jakob Jung is Editor-in-Chief of Security Storage and Channel Germany. He has been working in IT journalism for more than 20 years. His career includes Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (storage and data center) and ChannelBiz. He also freelances for numerous IT publications, including Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider and ZDnet. His main topics are channel, storage, security, data center, ERP and CRM.
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