Beim EMEA- und LATAM-Partner-Summit in Amsterdam konfrontierte NetApp seine Partner mit einer offenen Einschätzung: Flash-Speicher ist zwanzigmal teurer geworden als Festplatten, die Lieferketten bleiben mindestens sechs Monate lang gestört, und europäische Kunden überdenken aktiv ihre Abhängigkeit von US-Cloud-Anbietern. Vor diesem Hintergrund stellte das Unternehmen seine KI-Daten-Engine vor und positionierte sein Partner-Ökosystem als den primären Kanal, um die Turbulenzen zu navigieren.
Rund 200 Channel-Partner versammelten sich im Okura Hotel in Amsterdam zum jährlichen EMEA- und LATAM-Partner-Summit und den Auszeichnungen von NetApp, und die Stimmung war eher von Dringlichkeit als von Feierlichkeit geprägt. Bevor die Trophäen für Partner-Excellence vergeben wurden, legten Führungskräfte und ein unabhängiger Branchenanalyst am Vormittag eine Reihe von Belastungen dar – Angebot, Preise, Geopolitik, Souveränität –, die sie als beispiellos bezeichneten.
Willem Hendrickx, Senior Vice President und General Manager für NetApp EMEA & LATAM, eröffnete die Sitzung mit einem direkten Blick auf die Lieferkettensituation. Flash-Speicher kostet inzwischen etwa zwanzigmal mehr als Festplatten, ein Verhältnis, das die Annahmen vieler Unternehmensspeicherentscheidungen auf den Kopf gestellt hat. ‚Eine solche Situation habe ich noch nie erlebt‘, sagte Hendrickx. Das Unternehmen rechnet nicht damit, dass sich die Lage innerhalb der nächsten sechs Monate normalisiert.
Gavin Moore, CTO für EMEA & LATAM, verstärkte das wirtschaftliche Argument. ‚Flash ist besser als Festplatten, aber die Wirtschaftlichkeit hat sich zwanzigfach verändert‘, sagte er. Moore kündigte auch eine bevorstehende Software-only-Version von ONTAP für Juni sowie eine vollständige Überarbeitung der E-Series-Hardware an.
Analyst: Europa positioniert sich strukturell neu
Alistair Edwards, Chefanalyst bei Omdia, identifizierte vier Makrotrends: geopolitische Turbulenzen; eine Angebots- und Preisverzerrung, die er als schlimmer als alles bezeichnete, was während der Covid-Halbleiterknappheit beobachtet wurde; die europäische Nachfrage nach Resilienz und digitaler Souveränität; sowie ein Wandel auf CEO-Ebene hin zur Risikominimierung. Die französische Regierung sei unter jenen, die die Beschaffung weg von US-Anbietern verlagern, sagte Edwards.
Souveränität als Spektrum, nicht als Binärfrage
Adam Gale, Field CTO für MEA, beschrieb Souveränität nicht als einzelne regulatorische Anforderung, sondern als Kontinuum – von physisch isolierten Dark-Site-Installationen für Verteidigungskunden bis hin zu Standard-Public-Cloud-Workloads. NetApp, so sein Argument, sei der einzige große Speicheranbieter, der das gesamte Spektrum abdecken kann – einschließlich der Fähigkeit, Daten zwischen Clouds zu verschieben.
KI-Daten-Engine: Vom Piloten zur Produktion
Kirsty Biddiscombe, AI Business Development Manager für alle EMEA-Partner, verwies auf Gartner-Daten, denen zufolge sechzig Prozent der KI-Projekte vor dem Produktionseinsatz abgebrochen werden. Die Hauptankündigung war die KI-Daten-Engine, entwickelt in Zusammenarbeit mit Nvidia, die Governance, Sicherheit und Datenleitplanken auf Infrastrukturebene bereitstellt.
Partnerstrategie und Auszeichnungen
Hendrickx bekräftigte, dass 88 Prozent des EMEA-Geschäfts von NetApp über den Channel abgewickelt werden. Der Gipfel schloss mit den FY26 EMEA & LATAM Partner Excellence Awards in sieben Kategorien, darunter Partner des Jahres, Händler des Jahres, KI-Partner des Jahres und weitere.

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
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