| Die Data Privacy Week mahnt zur Wachsamkeit: Während generative KI-Systeme die Arbeitswelt revolutionieren, wächst die Gefahr des Datenmissbrauchs. | Data Privacy Week urges vigilance: while generative AI systems are revolutionizing the world of work, the risk of data misuse is growing. |
| Jeder Klick, jeder Kauf, jede Suchanfrage hinterlässt digitale Spuren. Die persönlichen Daten eines jeden Einzelnen sind längst zu einer Währung geworden, die gesammelt, weitergegeben und verwertet wird – oft ohne das Wissen der Betroffenen. Zum 28. Januar, dem Europäischen Datenschutztag, rückt diese Problematik wieder ins öffentliche Bewusstsein. Der Gedenktag erinnert an die Europäische Datenschutzkonvention von 1981, das erste rechtsverbindliche zwischenstaatliche Abkommen zum Schutz personenbezogener Daten. In den USA feiert die National Cybersecurity Alliance gleich die ganze Woche von 26. bis 30. Januar als Data Privacy Week.
Doch während die Grundlagen des Datenschutzes seit Jahrzehnten feststehen, haben sich die Herausforderungen dramatisch gewandelt. Im Jahr 2026 steht vor allem die Integration künstlicher Intelligenz in den Arbeitsalltag im Fokus. Generative KI-Systeme und autonome Agenten versprechen Produktivitätssteigerungen, schaffen aber gleichzeitig neue Risiken für die Offenlegung sensibler Informationen. ‚Sobald vertrauliche Informationen oder personenbezogene Daten an ein KI-System weitergegeben werden, kann es schwierig sein, nachzuvollziehen, wohin diese Daten gelangen oder wie sie wiederverwendet werden‘, erklärt Matt Cooke, Cybersecurity-Strategist von Proofpoint. Persönliche Daten als digitale Währung Die Dimension des Problems wird deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, welche Datenmengen täglich anfallen. Computer, Smartphones, Wearables und vernetzte Autos sammeln kontinuierlich Informationen über Nutzerverhalten, Standorte, Gesundheitsdaten und Konsumpräferenzen. Diese Daten können unbegrenzt gespeichert und zur Erstellung detaillierter Profile verwendet werden. ‚Beim Datenschutz geht es nicht nur darum, die eigene IT mitsamt Daten und Systeme zu sichern oder Compliance-Anforderungen zu erfüllen‘, betont Alina Bizga, Security Analyst bei Bitdefender. ‚Nicht weniger wichtig ist es, das Vertrauen der Menschen, ihre digitalen Routinen und deren Privatsphäre zu schützen.‘ Die Realität zeigt: Hinter jeder Schlagzeile über Datenlecks stehen Menschen, deren Informationen in falsche Hände geraten sind. Selbst scheinbar harmlose Daten wie bevorzugte Restaurants oder Online-Einkäufe ermöglichen weitreichende Rückschlüsse auf sozioökonomischen Status, demografische Merkmale und persönliche Präferenzen. Viele Unternehmen nutzen diese Möglichkeit, um Nutzer- und Verbraucherdaten zu monetarisieren. Verschlüsselung als Grundpfeiler Fast 13 Jahre nach den NSA-Enthüllungen durch Edward Snowden bleibt der Kampf um durchgängige Verschlüsselung aktuell. Chester Wisniewski, Director Global Field CISO bei Sophos, mahnt: ‚Backdoors sowie übermäßige Zugriffsrechte sind problematisch.‘ Die Gefahr zeige sich in Fällen, in denen Cyberkriminelle wie LAPSUS$ und Scattered Spider sich als Strafverfolgungsbehörden ausgaben, um vermeintlich rechtmäßigen Zugriff auf persönliche Daten zu erlangen. Verschlüsselung ermögliche es Nutzern, selbst zu bestimmen, was sie wann mit wem teilen möchten. Der Datenschutztag sei ein geeigneter Anlass, die verwendeten Anwendungen und Plattformen kritisch zu prüfen und sicherzustellen, dass sie auch künftig eine sichere Wahl bleiben, so Wisniewski. Chris Harris, EMEA Technical Director, Data and Application Security bei Thales, erklärt: „Die meisten Datenschutzverletzungen werden heute nicht von Hackern verursacht. Sie finden still und leise innerhalb der IT-Systeme statt. Die Ergebnisse des Thales Data Threat Reports zeigen zwar, dass die Anzahl der gemeldeten Datenschutzverletzungen von 37 im Jahr 2021 auf 15 Prozent im Jahr 2025 zurückgegangen sind, doch dieser scheinbare Fortschritt birgt Gefahren. Ein Risiko besteht darin, dass die meisten Datenschutzverletzungen, die derzeit auftreten, einfach übersehen werden – durch internen Missbrauch, übermäßige Datenerfassung und automatisierten Zugriff über APIs, Partner und Bots. Der Grund dafür liegt darin, dass zumeist nicht genügend Kontrolle über und Einblick in diese automatisierten Prozesse besteht. Diese Verschiebung untergräbt bereits das Vertrauen. Untersuchungen zeigen, dass 82 Prozent der Verbraucher im vergangenen Jahr aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Verwendung ihrer personenbezogenen Daten nicht mehr Waren oder Dienstleistungen eines Unternehmens kaufen oder sich nach Alternativen umgesehen haben. Datenschutzverletzungen müssen also nicht unbedingt für Schlagzeilen sorgen, um echten Schaden anzurichten. Allzu oft werden Menschen aufgefordert, Unternehmen zu vertrauen, ohne dass sie ein klares, aussagekräftiges Verständnis davon erhalten, wie ihre Daten tatsächlich erfasst, weitergegeben und verwendet werden. Darüber hinaus liest kaum jemand die Geschäftsbedingungen. KI und Automatisierung werden zu einem zentralen Bestandteil der Geschäftsabläufe, deshalb benötigen Maschinen heute sensible Daten in einem Umfang, für den traditionelle Datenschutzrahmen nie ausgelegt waren. Der Schutz personenbezogener Daten ist nicht mehr nur eine Frage der Compliance, sondern auch der Technik und Transparenz. Der Data Privacy Day versteht sich und sollte als ein Weckruf wahrgenommen werden. Immer mehr Daten werden von KI, APIs und Bots abgerufen. Deshalb müssen Unternehmen den Datenschutz von vornherein in ihre Systeme integrieren und dabei eine weitaus bessere Kontrolle und klarere Kommunikation darüber gewährleisten, wie Daten erfasst, weitergegeben und verwendet werden. Andernfalls riskieren sie in einer zunehmend automatisierten Welt das Vertrauen ihrer Kunden zu verlieren.“ Menschlicher Faktor im Fokus Die aktuelle ‚Voice of the CISO‘-Studie von Proofpoint unterstreicht die Bedeutung des menschlichen Faktors: 97 Prozent der deutschen Chief Security Officer, die Datenverluste erlitten haben, bestätigen, dass ausscheidende Mitarbeiter eine Rolle spielten – ein deutlicher Anstieg gegenüber 77 Prozent im Vorjahr. ‚Datenverlust ereignet sich nicht einfach. Er beginnt bei Menschen und bei KI-Agenten, die in ihrem Namen handeln‘, erklärt Cooke. Experten von KnowBe4 empfehlen Unternehmen einen mehrschichtigen Ansatz: Datenminimierung durch jährliche Überprüfung gespeicherter Informationen, klares Verständnis der Datenflüsse, Investitionen in praxisnahe Mitarbeiterschulungen sowie Transparenz gegenüber Kunden. Besonders wichtig sei die Verschlüsselung aller Daten sowohl während der Übertragung als auch im Ruhezustand. Praktische Schritte für Privatpersonen Auch Privatpersonen können ihre Datensicherheit deutlich verbessern. Die Grundlage bildet die Verwendung eines Passwort-Managers zur Erstellung und Verwaltung sicherer, einzigartiger Zugangsdaten für jedes Konto. Die Aktivierung der Zwei-Faktor-Authentifizierung erschwert Betrügern den Zugriff erheblich, ohne nennenswerten Mehraufwand zu verursachen. Ebenso wichtig ist die regelmäßige Überprüfung der Datenschutzeinstellungen in Betriebssystemen, Apps und Online-Konten. Nutzer sollten kritisch hinterfragen, welche Berechtigungen tatsächlich erforderlich sind – muss jede Smartphone-App den aktuellen Standort kennen? Ist permanentes Angemeldetbleiben bei Online-Diensten wirklich notwendig? Ein weiterer wichtiger Aspekt: das digitale Ausmisten. Ungenutzte Konten und Apps sollten gelöscht, Abonnements überprüft und unnötige Berechtigungen widerrufen werden. In sozialen Medien empfiehlt sich die Verschärfung der Datenschutzeinstellungen sowie die Deaktivierung unnötiger Tracking- und Marketing-Funktionen. Digitale Achtsamkeit als Grundhaltung Vor der Weitergabe persönlicher Daten sollte grundsätzlich innegehalten werden: Werden diese Informationen wirklich benötigt? Was passiert, wenn sie weitergegeben werden? Besonders beim Teilen von Fotos in sozialen Medien gilt: erst nachfragen, ob alle abgebildeten Personen mit der Veröffentlichung einverstanden sind. Versehentlich preisgegebene Informationen über Wohnort, Geburtstag oder Urlaube können Cyberkriminellen Jahre später gegen einen verwendet werden. Im beruflichen Kontext gelten noch strengere Maßstäbe. Die Weitergabe von Unternehmensdaten, Kundeninformationen oder Lieferantendaten kann nicht nur für Cyberkriminelle von Interesse sein, sondern auch juristische Folgen für Betrieb und Arbeitsplatz nach sich ziehen. Kontinuierlicher Prozess statt Routineaufgabe Datenschutz ist kein Projekt, das einmal im Jahr abgehakt werden kann, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Mit der zunehmenden Integration agentenbasierter KI-Systeme in den Arbeitsalltag müssen Sicherheitsteams einen menschenzentrierten Ansatz verfolgen und einheitliche Sicherheitsvorkehrungen für E-Mail, Cloud, Endgeräte, Web und KI-Tools treffen. Zeitnahe Schutzmaßnahmen und Schulungen sind unerlässlich, um die Vorteile der KI zu nutzen, ohne Datenschutzbestimmungen zu verletzen. Die Reduzierung menschlicher Risiken und die Minimierung der Datenerfassung bleiben zentrale Strategien. Dabei können kleine, konsequente Schritte oft mehr bewirken als umfassende Überarbeitungen des gesamten Datenschutzkonzepts. Für Privatpersonen bedeutet dies vor allem: digitale Achtsamkeit üben und sich bewusst machen, dass alles, was digital preisgegeben wird, gestohlen werden und dauerhaft öffentlich zugänglich sein könnte. Von der Führungsetage bis zu den Mitarbeitern gilt es, Datenschutz von einer regulatorischen Belastung zu einer tragenden Säule der betrieblichen und persönlichen Sicherheit zu machen. Wer Vorsicht und Achtsamkeit bei der Weitergabe von Daten walten lässt, geht einen wichtigen Schritt in Richtung souveräner Datensicherheit – nicht nur während der Data Privacy Week, sondern das ganze Jahr über. |
Every click, every purchase, every search query leaves digital traces. The personal data of every individual has long since become a currency that is collected, passed on, and exploited—often without the knowledge of those affected. On January 28, European Data Protection Day, this issue returns to the public consciousness. (The European term is somewhat confusing as it is all about privacy not data protection in a technical sense). The commemorative day marks the European Convention on Data Protection of 1981, the first legally binding intergovernmental agreement on the protection of personal data. In the US, the National Cybersecurity Alliance celebrates the entire week from January 26 to 30 as Data Privacy Week.
But while the fundamentals of privacy have been established for decades, the challenges have changed dramatically. In 2026, the focus will be on the integration of artificial intelligence into everyday work. Generative AI systems and autonomous agents promise productivity gains, but at the same time create new risks for the disclosure of sensitive information. “Once confidential information or personal data is shared with an AI system, it can be difficult to track where that data goes or how it is reused,” explains Matt Cooke, cybersecurity strategist at Proofpoint. Personal data as digital currency The scale of the problem becomes clear when you consider the amount of data generated every day. Computers, smartphones, wearables, and connected cars continuously collect information about user behavior, locations, health data, and consumer preferences. This data can be stored indefinitely and used to create detailed profiles. “Data protection is not just about securing your own IT, including data and systems, or meeting compliance requirements,” emphasizes Alina Bizga, security analyst at Bitdefender. “It is just as important to protect people’s trust, their digital routines, and their privacy.” Reality shows that behind every headline about data leaks are people whose information has fallen into the wrong hands. Even seemingly harmless data such as favorite restaurants or online purchases allow far-reaching conclusions to be drawn about socioeconomic status, demographic characteristics, and personal preferences. Many companies use this opportunity to monetize user and consumer data. Encryption as a cornerstone Almost 13 years after Edward Snowden’s NSA revelations, the battle for end-to-end encryption remains relevant. Chester Wisniewski, Director Global Field CISO at Sophos, warns: “Backdoors and excessive access rights are problematic.” The danger is evident in cases where cybercriminals such as LAPSUS$ and Scattered Spider impersonated law enforcement agencies to gain supposedly legitimate access to personal data. Encryption allows users to decide for themselves what they want to share, when, and with whom. Data Protection Day is an appropriate occasion to critically examine the applications and platforms used and ensure that they remain a secure choice in the future, according to Wisniewski. Chris Harris, EMEA Technical Director, Data and Application Security at Thales, explains: „Most data breaches today are not caused by hackers. They take place quietly within IT systems. While the findings of the Thales Data Threat Report show that the number of reported data breaches has fallen from 37 percent in 2021 to 15 percent in 2025, this apparent progress hides dangers. One risk is that most data breaches currently occurring are simply being overlooked—through internal misuse, excessive data collection, and automated access via APIs, partners, and bots. The reason for this is that there is often insufficient control and visibility into these automated processes. This shift is already undermining trust. Research shows that 82 percent of consumers have stopped buying goods or services from a company or looked for alternatives in the past year due to concerns about the use of their personal data. So data breaches don’t necessarily have to make headlines to cause real damage. All too often, people are asked to trust companies without being given a clear, meaningful understanding of how their data is actually collected, shared, and used. What’s more, hardly anyone reads the terms and conditions. AI and automation are becoming a central part of business processes, which is why machines today require sensitive data on a scale that traditional data protection frameworks were never designed to handle. The protection of personal data is no longer just a matter of compliance, but also of technology and transparency. Data Privacy Day should be seen as a wake-up call. More and more data is being accessed by AI, APIs, and bots. That’s why companies need to build data protection into their systems from the outset, ensuring much better control and clearer communication about how data is collected, shared, and used. Otherwise, they risk losing the trust of their customers in an increasingly automated world. Focus on the human factor Proofpoint’s latest ‘Voice of the CISO’ study highlights the importance of the human factor: 97 percent of German chief security officers who have suffered data loss confirm that departing employees played a role – a significant increase from 77 percent in the previous year. ‚Data loss doesn’t just happen. It starts with people and AI agents acting on their behalf,“ explains Cooke. Experts at KnowBe4 recommend a multi-layered approach for companies: data minimization through annual review of stored information, clear understanding of data flows, investment in practical employee training, and transparency towards customers. Encrypting all data both during transmission and at rest is particularly important. Recommendations for private individuals Private individuals can also significantly improve their data security. The basis for this is the use of a password manager to create and manage secure, unique access data for each account. Activating two-factor authentication makes it much more difficult for fraudsters to gain access without causing any significant additional effort. It is equally important to regularly review the privacy settings in operating systems, apps, and online accounts. Users should critically question which permissions are actually necessary—does every smartphone app need to know your current location? Is it really necessary to stay logged in to online services permanently? Another important aspect is digital decluttering. Unused accounts and apps should be deleted, subscriptions checked, and unnecessary permissions revoked. On social media, it is advisable to tighten privacy settings and disable unnecessary tracking and marketing features. Digital mindfulness as a basic attitude Before sharing personal data, you should always pause and ask yourself: Is this information really necessary? What happens if it is shared? When sharing photos on social media, it is particularly important to ask whether all the people in the photos agree to their publication. Information about your place of residence, birthday, or vacations that is accidentally disclosed can be used against you by cybercriminals years later. Even stricter standards apply in a professional context. Sharing company data, customer information, or supplier data may not only be of interest to cybercriminals, but can also have legal consequences for the business and workplace. Continuous process instead of routine task Privacy is not a project that can be checked off once a year, but rather a continuous process. With the increasing integration of agent-based AI systems into everyday work, security teams must take a human-centered approach and implement uniform security measures for email, cloud, end devices, web, and AI tools. Timely protective measures and training are essential to reap the benefits of AI without violating data protection regulations. Reducing human risk and minimizing data collection remain key strategies. Small, consistent steps can often be more effective than comprehensive revisions of the entire data protection concept. For individuals, this means above all practicing digital mindfulness and being aware that anything disclosed digitally could be stolen and remain publicly accessible indefinitely. From the executive suite to the employees, data protection must be transformed from a regulatory burden into a cornerstone of operational and personal security. Those who exercise caution and mindfulness when sharing data are taking an important step toward confident data security—not only during Data Privacy Week, but throughout the year. |

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
Dr. Jakob Jung is Editor-in-Chief of Security Storage and Channel Germany. He has been working in IT journalism for more than 20 years. His career includes Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (storage and data center) and ChannelBiz. He also freelances for numerous IT publications, including Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider and ZDnet. His main topics are channel, storage, security, data center, ERP and CRM.
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