Microsoft Active Directory ist eine attraktive Angriffsfläche für Cyberkriminelle. Ein Whitepaper des TÜV Rheinland zeigt, wie groß die Risiken sind – und was Organisationen dagegen tun können. Microsoft Active Directory is an attractive target for cybercriminals. A whitepaper by TÜV Rheinland illustrates the severity of the risks and how organizations can mitigate them.
Wer die Zugangsdaten kennt, hat die Macht. Dieser Grundsatz gilt in der IT-Sicherheit mehr denn je – und er erklärt, warum Microsoft Active Directory (AD) zu einem der beliebtesten Angriffsziele für Cyberkriminelle geworden ist. Millionen von Organisationen weltweit nutzen das Verzeichnissystem als zentrale Schaltstelle für Identitäten, Berechtigungen und Netzwerkzugriffe. Die Kehrseite dieser Verbreitung: Ein einziger kompromittierter Zugangspunkt kann ausreichen, um das gesamte Unternehmensnetzwerk zu infiltrieren.

Zentrale Plattform, zentrale Schwachstelle

Active Directory übernimmt in modernen Windows-basierten Netzwerken drei Kernfunktionen: Authentifizierung, Autorisierung und zentrale Verwaltung. Es prüft, ob Anfragen von berechtigten Konten stammen, steuert den Zugriff auf Ressourcen und speichert Informationen zu Benutzerkonten, Computern, Druckern und Netzwerkdiensten. Die enge Integration mit Diensten wie Microsoft 365, Exchange oder SharePoint macht AD zum verbindenden Element der gesamten IT-Infrastruktur.

Genau diese Stärke ist auch die größte Schwäche. Gelingt es Angreifenden, das Active Directory zu kompromittieren, erhalten sie potenziell Zugang zu sämtlichen angebundenen Systemen und Daten. Sie können Berechtigungen ausweiten, sich lateral durch das Netzwerk bewegen, Schadsoftware verbreiten und sich langfristig im System einnisten – ohne zunächst bemerkt zu werden. Für Unternehmen bedeutet das im schlimmsten Fall den vollständigen Kontrollverlust über ihre IT-Landschaft.

Sechs Risikofaktoren, die Verantwortliche kennen müssen

Das Whitepaper von TÜV Rheinland benennt sechs strukturelle Gründe, warum Active Directory-Umgebungen besonders schutzbedürftig sind. Erstens steht die zentrale Steuerung von Identitäten und Zugriffsrechten im Fokus: Wer das AD kontrolliert, kontrolliert das Unternehmen. Zweitens machen hohe Verbreitung und tiefe Integration in Windows-Umgebungen das System zum attraktiven Ziel. Drittens erhöht die wachsende Komplexität bei steigender Unternehmensgröße das Risiko für Fehlkonfigurationen und den Verlust des Überblicks.

Hinzu kommen die Ausbreitung von Angriffen: Ein einmal kompromittiertes AD dient als Ausgangspunkt für weitreichende Angriffsketten. Durch erweiterte Persistenz können Angreifende Informationen über Netzwerkstrukturen und Sicherheitsrichtlinien nutzen, um ihre Präsenz dauerhaft zu verschleiern. Schließlich spielen Compliance-Anforderungen eine wachsende Rolle: Da Active Directory personenbezogene Daten verwaltet, gelten Vorgaben wie die DSGVO – Verstöße können erhebliche rechtliche und wirtschaftliche Folgen haben.

Schutzmaßnahmen: Von minimalen Privilegien bis Defense-in-Depth

Die Autoren empfehlen ein mehrschichtiges Sicherheitskonzept. Grundlage ist das Prinzip minimaler Privilegien: Benutzer und Administratoren erhalten nur die Rechte, die sie für ihre konkreten Aufgaben benötigen. Ergänzend sollten administrative Funktionen klar getrennt und durch eine Just-in-Time-Administration abgesichert werden, bei der erweiterte Zugriffsrechte nur temporär vergeben werden. Starke Passwortrichtlinien mit Multi-Faktor-Authentifizierung sowie Werkzeuge wie Windows LAPS runden die Basisabsicherung ab.

Gleichrangig wichtig sind konsequentes Patch-Management und die gezielte Systemhärtung von Servern und Workstations. Regelmäßige Sicherheitsaudits und Risikobewertungen ermöglichen es, Schwachstellen frühzeitig zu erkennen, bevor Angreifende sie ausnutzen können. Der Ansatz folgt dem Defense-in-Depth-Prinzip: Mehrere unabhängige Sicherheitsschichten sollen sicherstellen, dass das Versagen einer einzelnen Maßnahme nicht zum Totalausfall führt.

Assessments und Penetrationstests als externe Kontrolle

Neben internen Maßnahmen empfiehlt TÜV Rheinland den Einsatz externer Prüfmethoden. Ein Vulnerability-Assessment analysiert sämtliche relevanten Konfigurationen der AD-Umgebung: Objekt-Hierarchie, Benutzerkonten, Gruppenrichtlinien, Authentifizierungsmechanismen und Zertifikatsdienste werden systematisch auf Schwachstellen untersucht. Interne Penetrationstests gehen einen Schritt weiter: Dabei simulieren Sicherheitsexperten das Vorgehen eines Angreifers, der bereits internen Zugang besitzt – etwa durch Phishing oder einen kompromittierten Mitarbeitenden.

Das umfassendste Instrument ist das Security-Assessment, das neben technischen Aspekten auch Richtlinien, Prozesse und die gesamte IT-Infrastruktur einbezieht. Es prüft unter anderem Netzwerkarchitektur, Firewall-Konfigurationen, kryptografisches Schlüsselmanagement, Datensicherung sowie das Incident Management. Ziel ist es, die Einhaltung von Standards wie ISO 27001, NIST oder der DSGVO sicherzustellen und konkrete Handlungsempfehlungen zu entwickeln.

Sicherheit als kontinuierlicher Prozess

Die zentrale Botschaft des Whitepapers lautet: Active Directory-Sicherheit ist kein einmaliges Projekt, sondern eine Daueraufgabe. Nur die Verzahnung technischer und organisatorischer Maßnahmen mit kontinuierlichen Prüfungen schafft eine widerstandsfähige IT-Infrastruktur. Unternehmen, die diese Investition scheuen, riskieren nicht nur Datenverluste und Betriebsunterbrechungen – sondern auch empfindliche Bußgelder und Reputationsschäden, wenn personenbezogene Daten in falsche Hände geraten.

Those who know the access data have power. This principle is more relevant than ever in IT security, which explains why Microsoft Active Directory (AD) has become one of the most popular targets for cybercriminals. Millions of organizations worldwide use the directory system as a central hub for identities, permissions, and network access. The downside of this proliferation is that: A single compromised access point can infiltrate the entire corporate network.

One central platform means one central vulnerability.

Active Directory performs three core functions in modern Windows-based networks: authentication, authorization, and central management. It verifies that requests originate from authorized accounts, manages access to resources, and stores data on user accounts, computers, printers, and network services. Its close integration with services like Microsoft 365, Exchange, and SharePoint makes AD the connecting element of the entire IT infrastructure.

This very strength is also its greatest weakness. If attackers compromise the Active Directory, they can potentially access all connected systems and data. They can expand permissions, move laterally through the network, spread malware, and remain hidden in the system long-term. For companies, this could mean a complete loss of control over their IT landscape in the worst case.

The white paper from TÜV Rheinland identifies six structural reasons why Active Directory environments are vulnerable. First, it focuses on the central control of identities and access rights: Whoever controls the AD controls the company. Second, the system’s high distribution and deep integration into Windows environments make it an attractive target. Third, growing complexity with increasing company size raises the risk of misconfigurations and loss of oversight.

Additionally, attacks are spreading. Once an AD is compromised, it serves as a starting point for extensive attack chains. Through extended persistence, attackers can use information about network structures and security policies to conceal their presence permanently. Finally, compliance requirements are playing an increasingly important role. Since Active Directory manages personal data, it is subject to regulations such as the GDPR, and violations can have significant legal and economic consequences.

Protective measures: From minimal privileges to defense-in-depth.

The authors recommend a multi-layered security concept. The foundation of this concept is the principle of least privilege, which states that users and administrators should only be granted the rights necessary for their specific tasks. Additionally, administrative functions should be clearly separated and secured through just-in-time administration, wherein extended access rights are granted only temporarily. Strong password policies, multi-factor authentication, and tools like Windows LAPS complete the basic security measures.

Consistent patch management and targeted system hardening of servers and workstations are equally important. Regular security audits and risk assessments enable the early identification of vulnerabilities, before attackers can exploit them. This approach follows the defense-in-depth principle. Multiple independent security layers are intended to ensure that the failure of a single measure does not lead to total failure.

External Control: Assessments and Penetration Tests

In addition to internal measures, TÜV Rheinland recommends using external testing methods. A vulnerability assessment examines all relevant configurations of the AD environment. The object hierarchy, user accounts, group policies, authentication mechanisms, and certificate services are examined for vulnerabilities. Internal penetration tests take it a step further. In this process, security experts simulate the actions of an attacker who already has internal access, such as through phishing or a compromised employee.

The most comprehensive tool is the security assessment, which includes technical aspects as well as policies, processes, and the entire IT infrastructure. It examines network architecture, firewall configurations, cryptographic key management, data backup, and incident management, among other things. The goal is to ensure compliance with standards such as ISO 27001, NIST, and the GDPR, as well as to develop specific action recommendations.

Security as a Continuous Process

The central message of the white paper is that securing Active Directory is an ongoing task, not a one-time project. A resilient IT infrastructure can only be created through the integration of technical and organizational measures with continuous testing. Companies that avoid this investment risk data loss, business interruptions, heavy fines, and reputational damage if personal data falls into the wrong hands.

Von Jakob Jung

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM. Dr. Jakob Jung is Editor-in-Chief of Security Storage and Channel Germany. He has been working in IT journalism for more than 20 years. His career includes Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (storage and data center) and ChannelBiz. He also freelances for numerous IT publications, including Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider and ZDnet. His main topics are channel, storage, security, data center, ERP and CRM. Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de

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